Den Quereinstieg erfolgreich meistern: Was es beim Berufswechsel zu beachten gibt

Die Arbeitswelt ist im Wandel: Neue Technologien, zunehmend dynamische Märkte und die Corona-Pandemie bringen viele Menschen dazu, sich Gedanken über eine Neuorientierung zu machen. In unserer Reihe „Den Quereinstieg erfolgreich meistern“ erörtern wir die unterschiedlichen Herangehensweisen an einen Berufswechsel, zeigen auf, worauf Sie bei der Bewerbung achten sollten, und beleuchten die Branchen, in denen sich ein Quereinstieg besonders lohnt.

Die Typen des Berufswechsels

In seinem Buch „Durchstarten zum Traumjob“ beschreibt der Karrieremanager Richard Nelson Bolles sehr anschaulich, wie ein Berufswechsel auch ohne Weiterbildung und Umschulung gelingen kann (siehe Abb. 1). Dabei unterscheidet er zwei Wege: Entweder man vollzieht ihn in zwei Schritten, indem man zunächst nur seine Branche (A→B) bzw. seine Position (A→C) ändert und in einem weiteren Schritt dann die Position (B→D) bzw. die Branche (C→D). Alternativ kann der Berufswechsel auch in einem Schritt erfolgen (A→D), was allerdings weitaus schwieriger zu realisieren ist.

Quelle: Daniel Porot 1991

Ein Beispiel: Sie arbeiten als Buchhalter bei einer Versicherung (A) und möchten gerne Vertriebler in einem Logistikunternehmen (D) werden. Entweder Sie werden zunächst Buchhalter in einem Logistikunternehmen (A→B) oder Vertriebler bei einer Versicherung (A→C) und wechseln in einem zweiten Step Ihre Funktion vom Buchhalter zum Vertriebler (B→D) oder Ihre Branche von Versicherung zu Logistik (C→D). Alternativ können Sie auch den „kalten Sprung ins Wasser“ wagen  –  und bewerben sich direkt als Vertriebler in einem Logistikunternehmen (A →D).

Vergegenwärtigen Sie sich anhand des Schaubildes einmal Ihre Möglichkeiten. Je mehr Klarheit Sie über Ihr Quereinsteigerziel haben, desto besser können Sie sich auf den Bewerbungsprozess vorbereiten  –  und desto größer ist die Chance, eine Ihren Wünschen und Anforderungen entsprechende Stelle zu finden.

Die Ziele klären

Um den Quereinstieg erfolgreich zu meistern, gilt es folgende Fragen vorab zu klären: Welchen Nutzen kann ich einem Unternehmen bieten? Zählen Sie hier Ihre Stärken und Talente auf, die Sie in jede Organisation einbringen könnten: z. B. analytisches Denken, Kreativität, Organisationfähigkeit, Führungsstärke, etc. Führen Sie sich diese Stärken vor Augen. Vielleicht fehlt Ihnen als Quereinsteiger die Branchenkompetenz, aber dafür können Sie mit anderen wichtigen Skills überzeugen. So kommt z. B. die Studie „Unterschiedliche Wege ins Lehramt  –  unterschiedliche Kompetenzen?“ (2020) zum Schluss: Quereinsteiger ins Lehramt haben zwar nicht die gleichen pädagogischen Kompetenzen wie studierte Lehrer, dafür aber eine höhere Stressresistenz. In punkto Fachkompetenz liegen sie gleichauf.

Wenn Sie Ihre Stärken definiert haben, machen Sie sich klar, in welchen Bereichen Sie diese einsetzen möchten und welche Arbeitsbedingungen Ihnen wichtig sind. Notieren Sie sich dazu alle Themenbereiche, die Sie besonders interessieren und in denen Sie gerne arbeiten möchten. Hierzu gehört auch die Frage, ob Sie lieber in Wohnortnähe bleiben oder auch gerne mal eine andere Region kennenlernen möchten. Nach der Beantwortung dieser Fragen haben Sie mehr Klarheit über Ihre berufliche Neuausrichtung und vielleicht auch schon ein paar Unternehmen ausgesucht, die Sie direkt ansprechen könnten.

Kennen Sie Ihre eigenen Stärken und Wünsche? Foto: Saulo Mohana @unsplash.com

Erfolgsfaktoren für den Quereinstieg

Wichtig für einen erfolgreichen Quereinstieg sind zunächst ein hohes Maß an Engagement und Proaktivität. Darüber hinaus sollten Sie weitere Erfolgsfaktoren verinnerlichen:

Abstraktionsfähigkeit

Damit ein Berufswechsel gelingt, sollten Bewerber in der Lage sein, ihre spezifischen Fachkenntnisse für die neue Position abstrahieren zu können. Fragen Sie sich: Welche Punkte meines fachlichen Know-hows passen für die neue Funktion bzw. Branche? Abstrahieren bzw. verallgemeinern Sie diese Skills. Sie werden sehen, dass Sie oftmals mehr zu bieten haben, als Sie denken.

Angemessene und realistische Gehaltsforderungen

Für viele Bewerber ist das alte Gehalt häufig die Messlatte, doch gerade beim Quereinstieg sollten Sie sich gut informieren, was in der neuen Branche üblicherweise gezahlt wird. Zu hohe Gehaltsforderungen führen häufig schon im ersten Schritt zur Absage. Führen Sie sich vor Augen: Ohne Fachkompetenz und Branchenerfahrung sind Sie wieder „Berufseinsteiger“ und können in den Augen der Personaler auch nur so bezahlt werden – selbst, wenn Sie in der bisherigen Branche als „alter Hase“ klassifiziert waren. Schauen Sie sich also vorher beispielsweise den Gehaltsreport von Stepstone an.

Motivation

Essessenziell für einen erfolgreichen Quereinstieg ist die Motivation, die Sie gut und schlüssig auf den Punkt bringen sollten  –  entweder im Telefonat, Anschreiben oder Motivationsschreiben. Finden Sie Antworten auf folgende Fragen: Warum möchten Sie wechseln und warum sollte das Unternehmen gerade Sie einstellen? In jedem Fall empfiehlt es sich, die Personalabteilung des Zielunternehmens vorab anzurufen, um die Entscheider für sich einzunehmen und schon mal Anknüpfungspunkte für das Bewerbungsschreiben zu haben.

Fazit: Stärken, Wünsche und Ansprüche kennen

Wer sich für einen Quereinstieg entscheidet, sollte sich die eignen Stärken, Wünsche und Ansprüche bewusst vor Augen führen  –  und dann anfangen, mögliche Branchen, Funktionen und Unternehmen zu suchen, die diesen Punkten entsprechen. Es ist hilfreich, sich vor der Bewerbung gut über die jeweilige Branche oder Funktion zu informieren, um später im Motivationsschreiben oder bei den Gehaltsverhandlungen die passenden Argumente vorlegen zu können. Gern unterstützen wir Sie bei Ihrem Berufswechsel.

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